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2013.12.15 Konzert zur Advents- und Weihnachtszeit

St.Jodokus Unterwurmbach
Kirche St. Jodokus

Toren und Herzen weit gemacht.

Unterwurmbacher Kirchenchor und "Collegium Musicum ließen alte Meister erklingen.

UNTERWURMBACH- Auf erstaunlich hohem Niveau präsentierte der Kirchenchor Unterwurmbach und das Instrumentalensemble Collegium musicum unter der Leitung von Leonard Klimpke am Abend des dritten Advents ein prachtvolles Adventskonzert in der St. Jodokus Kirche Unterwurmbach. Wie im Voraus angekündigt, wird dieses Programm mit Werken alter Meister des 16. Und 17. Jahrhunderts „hoffentlich in seiner Einmaligkeit noch lange in Erinnerung" bleiben.

Eine halbe Stunde vor Beginn konnte in der Kirche nur noch mühsam ein Sitzplatz gesichert werden, zum Ende hin standen die Zuhörer bis hinter der Orgel auf der Empore. „Machet die Tore weit": Mit diesem mächtigen Werk wurde das Konzert eröffnet. Andreas Hammerschmidt (1612 - 1675) vertonte in der 6-stimmigen Motette einen Auszug aus dem 24. Psalm. Der Psalmbeter David spricht von der Ankunft des mächtigsten Königs, darum wird dieser Text auch in der Adventszeit gelesen. C. H. Spurgeon schreibt: „Man sagt, es sei im Orient nicht selten gewesen, dass man, um einem Gast zu zeigen, wie willkommen sein Einzug sei, die Türen aus den Angeln gehoben habe" und genau diese Geste kommt in der Art Hammerschmidts erst richtig zur Geltung. Er wählt einen freudigen Dreiviertel-Takt und ein polyphonen Rhythmus, der lediglich von dem prächtigen homophonen Teilen der Worte „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch" unterbrochen wird. Sehr plastisch wird das Spiel der Frage: „Wer ist der selbige König der Ehren?" und der Antwort: „Es ist der Herr, stark und mächtig" dargestellt. Die einzelnen Stimmen rufen sich gegenseitig zu, immer energischer werdend bis sie sich endlich vereinen: „stark und mächtig im Streit". Den letzten Teil bildet der hebräische Jubelruf „Hosianna!".

In der Begrüßung wurde auf das sehnsüchtige Warten auf den Gottessohn im Advent hingewiesen, um die Herzen weit zu machen, damit das Kommen des Heilandes jedes Jahr neu erlebt werden und die frohe Botschaft weit über Weihnachten hinaus gespürt werden kann. Deshalb bestand das Konzertprogramm aus Werken des gesamten Weihnachtsfestkreises von Advent, Weihnachten über Neujahr bis hin zu Epiphanias. Es folgten Choralsätze von Lukas Osiander (Sohn des Reformators Andreas) Crüger, Haßler, Praetorius und Eccard die auf spannende Art durch eine differenzierte Besetzung vorgetragen wurden. Diese entstand unter anderem durch die farbenreiche Instrumentierung des Collegium musicums, welches extra für dieses Konzert gegründet wurde: Sabine Bickel, Jill-Victoria Rokusek (Violine I), Julia Bui (Violine II), Maria Heimerl (Viola), Stefan Rohse (Cello), Martin Lingg (Kontrabass), Ruth Tuffentsamer (Blockflöte I), Ulrike Auer (Blockflöte II), Benedikt Köberlein (Orgel) und Thomas Werner (Spinett). Die Choräle wurden abwechselnd solistisch von Heike Hearn (Sopran) und Ulrike Schmidt (Alt) sowie dem Chor, der von verschiedenen Gastsängern aus dem Raum um Gunzenhausen ergänzt wurde, vorgetragen. Von Johann Eccard (1553-1611) fand auch die berühmte fünfstimmige deutsche Vertonung des Magnificats: „Übers Gebirg" ihren Platz. Durch die unglaubliche Schönheit , welche geprägt ist durch die wogenden musikalischen Linien und von einem berauschenden Klangteppich, gepaart mit dem frühbarocken Charme des Meisters, wird der Zuhörer mitgenommen in den Lobgesang der Maria, wenn sie dann spricht: „Mein Seel‘ den Herrn erhebet, mein Geist sich Gottes freuet, er ist mein Heiland und mein Gott, er will allzeit barmherzig sein".

In der Mitte des Konzertes erklang die Kantate „Willkommen, süßer Bräutigam" von Vincent Lübeck (1654-1740) für zwei Solo-Soprane (Heike Hearn, Sopran I; Ulrike Schmidt, Sopran II) zwei Violinen (Sabine Bickel, Violine I; Julia Bui Violine II) und Basso continuo (Leonard Klimpke, Orgel & Leitung). Es ist die Rede vom Menschen, der den Heiland mit seinem ganzen Wesen empfangen will, doch nicht über den Schatten seiner eigenen Knechtschaft springen kann. Im vierten Satz heißt es dann auf dramatische Weise: „Ach nimm von mir Leib Seel‘ und Geist, ja alles was Mensch ist und heißt!". Es muss also alles was menschlich ist überwunden werden damit man sich Gott „ganz verschreiben " kann, um ihm „ewig treu zu bleiben". Für den heutigen Menschen heißt das: Die irdischen, nichtigen Laster zu überwinden, um zu erkennen worauf es wirklich ankommt. Insgesamt wurde die Kantate in einem doch sehr rasanten Tempo gespielt, den Musikern gelang es dennoch ein solches Werk ausdruckstark aufzuführen, was für eine kleine Dorfkirche wie in Unterwurmbach als ein außergewöhnliches Ereignis gezählt werden kann.

Es folgte ein Fantasia von Jan Pieterszoon Sweelinck für zwei Orgeln (Leonard Klimpke Hauptorgel und Benedikt Köberlein (Echoorgel) „auf die Manier eines Echos", die den Zuhörer von zwei Seiten beschallte. Auf jedes Thema der Hauptorgel von oben folgte immer eine Antwort der Echoorgel von unten, was ein ungewöhnlich spannendes Hörerlebnis schuf. Im letzten Teil des Konzertes wurden wie schon im ersten Teil Choräle auf verschiedenste Art zu Gehör gebracht u. a. von Praetorius, Schröter, Schein und Vulpius. Ein lange anhaltender Applaus wurde den insgesamt rund fünfzig Musikern nach dem Epiphaniaschoral „Der Morgenstern ist aufgedrungen" gespendet, die teilweise länger als ein Jahr für dieses Konzert geprobt haben.

Chorobmann Wilhelm Ortner bedankte sich bei dem künstlerischen Leiter Leonard Klimpke, der mit dieser Aufführung sein Amt als Chorleiter für den Kirchenchor Unterwurmbach niederlegt. Der Chor leidet wie die meisten seiner Art an chronischem Sängermangel und Nachwuchsproblemen. Durch das mangelnde Bewusstsein der Gesellschaft geht wie vielerorts eine weitere Bastion der Musik und somit ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur unter, was wohl erst, wenn es zu spät sein wird, wahrgenommen werden wird.

Ortner erinnerte daran, dass der Chor selbst im Hochsommer „Es ist ein Ros entsprungen" geprobt hatte. Trotz der Schrullen des eigensinnigen Jungspundes Leonard Klimpke sei durch das gemeinsame Ziehen an einem Strang und die unermüdliche Freude und Lust an der Kunst ein wunderbares Konzert entstanden: Eine wunderbare gemeinsame Zeit, die wohl wirklich in den Herzen der Menschen „in ihrer Einmaligkeit noch lange in Erinnerung" bleiben wird.

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 04.01.2014

Texter: Unbekannt

Foto: Kitzsteiner, Unterwurmbach

 

2013. Unterwurmbach, Konzert

Das gemeinsame Konzert des Kirchenchores Unterwurmbach

und des Instrumentalensembles "Collegium musicum" in Unterwurmbach

wurde von den vielen Zuhörern mit großer Freude und

Dankbarkeit aufgenommen.                                 Foto: Kitzsteiner

 

 

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